Wieviel Freiheit gestattet uns die Obrigkeit? Heute: Dieter Wiefelspütz

Wenn ich diesen Namen höre oder lese, muss ich jedes Mal kurz in mich gehen. Dieter Wiefelspütz ist ehemaliger Richter und derzeit Bundestagsabgeordneter. Sein Direktmandat hat er aus dem Wahlkreis Hamm – Unna II, wo er über Jahre hinweg wieder gewählt wurde. Ansonsten sitzt er auf einem eher miserablen 31. Listenplatz in NRW und hat auch sonst keine wichtigen Parteiämter inne. Was macht ihn also so besonders?

Wer öffentliche Aussagen, gleich welcher Art – ob Reden, Briefe, Diskussionen, Interviews – von ihm sieht, liest oder hört, der weiß, was ihn so besonders macht. Es ist seine ganze Art, seine Lebenseinstellung. Für ihn gilt eines: Tu, was du willst, bis dich jemand daran hindert. Und er legt scheinbar großen Wert auf Ehrlichkeit und Direktheit.

Aufmerksam geworden bin ich auf den Abgeordneten durch das Internetportal abgeordnetenwatch.de. Dieter Wiefelspütz ist dort seit jeher Rekordhalter im Fragen-Beantworten – oder doch besser im Reagieren auf Fragen. 1340 Fragen hat er gestellt bekommen und auf fast alle hat er bisher geantwortet. Die Ränge zwei und drei belegen übrigens seine Parteikollegin und Justizministerin Brigitte Zypries mit 874 Fragen und Linken-Fraktionschef Gregor Gysi mit 788 Fragen. Insofern sticht Wiefelspütz selbstverständlich deutlich aus der Menge hervor und zieht dadurch auch weitere Fragesteller an.

Dieter Wiefelspütz hat bei den Antworten so seine Art. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und gerne beschimpft er Bürger, die ihm Fragen stellen.“Mir gefällt der Ton Ihrer Frage nicht. Es fehlt Ihnen an Respekt. Suchen sie sich einen anderen Gesprächspartner.“ Ganz wesentlich für ihn ist seine radikale Denkweise. Meinungen, die ihm nicht in den Kram passen, übergeht er. Für ihn zählt nur, was er denkt. Oder, was er gerade mit seiner Partei oder seiner Koalition ausgehandelt hat. Kürzlich ging es um eine Iniatiative gegen eine beliebte Freizeitsportart: Paintball. Es gibt verhältnismäßig wenige Vereinsspieler, dafür aber ist dieser Sport beliebt bei Menschen, die sich mal ganz „anders“ auspowern wollen. Das Spiel funktioniert recht einfach: Man teilt sich in zwei Teams auf. Jeder Spieler bekommt ein spezielles Gewehr, das Farbbeutel verschießt. Ziel des Spiels ist es, alle gegnerischen Spieler zu „erschießen“, wobei dieses nur symbolisch ist. Schwere Verletzungen gibt es dabei nicht.

Dieter Wiefelspütz hält das für „sittenwidrig“. Seine Konsequenz: Paintball muss verboten werden! Was das bringen soll, ist fraglich – denn eine Notwendigkeit benennt der Abgeordnete nicht. Er bestreitet sogar einen Zusammenhang mit Amokläufen. Toleranz gegenüber leidenschaftlichen Paintballern? Fehlanzeige! Und einer Diskussion stellt er sich nicht, sondern er würgt Kritiker konsequent ab. Welches Verständnis von Demokratie hat die Obrigkeit? Wie war das noch mit der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“? Art. 2 GG? Mir ist schleierhaft, wieso man erwachsenen Menschen verbieten will, sich gegenseitig mit Farbe zu beschießen und sich dabei blaue Flecken zu holen.

Aber womöglich ist das alles auch nur eine verwirrende Wahlkampfstrategie. Mal schauen, ob die wirklich gut ankommt…

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