TV-Tipp: „Unter Piraten – wem gehört das geistige Eigentum?“ – Heute, 22:15 auf Phoenix

Juni 22, 2009

Heute um 22:15 läuft auf Phoenix eine Sendung der Reihe „Unter den Linden“. Das hat nichts mit der Soap „Lindenstraße“ zu tun, auch, wenn das mein erster Gedanke war, sondern es ist eine Polit-Talk-Sendung, die jedoch etwas unpopulärer ist als die Großen der Reihe wie „Anne Will“ oder „Hart aber fair“.

Heute hat Unter den Linden das Thema „Unter Piraten – wem gehört das geistige Eigentum?“ aufgegriffen und diskutiert dabei mit Dirk Hillbrecht, Vorsitzender der Piratenpartei, und Prof. Rupert Scholz, Staatsrechtler und CDU-Politiker. Die Sendung läuft heute abend um 22:15 auf Phoenix und wird um 00:00 und morgen früh um 9:15 wiederholt.

Die Sendung wird, soweit ich weiß, live ausgestrahlt. Daher besteht noch bis heute Abend die Möglichkeit, Fragen vorzuschlagen. Diese müssen per Email an unterdenlinden@phoenix.de geschickt werden. Wer daran Interesse hat: Schnell machen, es ist nicht klar, wie lange die Redaktion sich dafür frei hält!

Für diejenigen, die entweder kein Fernsehgerät besitzen oder den Sender Phoenix nicht einprogrammiert haben, möchte ich einmal auf den Phoenix Livestream verweisen. Außerdem kann man die Sendung unter den Linden später noch als Videostream online nachschauen.

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Dieter Schwab will Schlagzeilen um jeden Preis

Juni 21, 2009

Gäbe es einen Preis für die größte journalistische Instinktlosigkeit in diesem Jahr: Dieter Schwab hätte gute Chancen für diese Würdigung. Diesem Mann fällt nichts besseres ein, als ein wenig gegen Menschen zu hetzen und sie pauschal zu pädophilen zu machen. So heute in einem Kommentar bei den Nürnberger Nachrichten.

Der Abgeordnete [Jörg Tauss] hat – das ist unstrittig – Kinderpornos besessen und tritt nun ausgerechnet mit der Begründung aus der SPD aus, die von der Großen Koalition beschlossenen Maßnahmen gegen solche widerwärtigen Bilder im Internet verletzten die Bürgerrechte.

„Diese Maßnahmen gegen solche widerwärtigen Bilder im Internet“ – das klingt so, als sei der dokumentierte Missbrauch von Kindern endlich verboten worden und die Täter stehen demnächst alle vor Gericht. Selbstverständlich tun sie das nicht. „Netzsperren helfen nur den Tätern„, brachte es vor einiger Zeit der Chaos Computer Club auf den Punkt. Tatsächlich ist es doch so, dass hierdurch kein einziges Bild vom  Netz genommen wird, kein einziger Täter wird gestellt, kein einziges Opfer wird geschützt! Wer eine solche kinderpornografische Seite betreibt, der wird durch die Stoppschilder eher gewarnt als gestellt. Die Regierung will nichts löschen. Es wird keine einzige Anstrenung unternommen, die Daten zu löschen. Auch nicht, die Täter zu stellen. In keinem Land, in dem es diese Sperren bereits gibt, wurden Erfolge festgestellt. So sieht die Realität aus. Aber Dieter Schwab braucht diese irreführende Suggestion, damit sein Kommentar auch schön knackig wird. Das ist alles, was bei den Nürnberger Nachrichten zählt.

Auch die Piratenpartei, der es wesentlich um die Freiheit des Kopierens aus dem Internet geht, tut sich nach dieser Begründung mit der Aufnahme von Jörg Tauss keinen Gefallen. Natürlich hat der Parlamentarier als unschuldig zu gelten, bis die Justiz ihr Urteil gesprochen hat. Trotzdem umweht die Mini-Gruppierung nun der Verdacht, sie wolle auch den freien Zugang zu Kinderpornos auf irgendwelchen Servern im Ausland aufrecht erhalten.

Nun, wenn man so will, könnte man das den Piraten bereits unterstellen. Genauso übrigens wie der FDP, der Linkspartei oder maßgeblichen Teilen der SPD-Basis, die gegen das Gesetz waren. Außerdem auch Teile der Grünen, zu denen ich mich bereits geäußert habe. Und überhaupt über 134.000 Unterzeichnern einer ePetition gegen das Gesetz.

In Wahrheit sind sie es doch, die genau das fordern, was lange unterlassen wurde: Die Webseiten konsequent zu löschen und die Täter zu stellen. Daran hat die Bundesregierung kein Interesse – dazu kam immerhin bisher noch kein Vorschlag. Keine bessere Prävention, keine Anweisung an das BKA, ausländische Provider zu informieren. Nein, die Zensurgegner selbst sind es, die die Löschung der Seiten erst einfordern müssen – und sie sind erfolgreich damit! Der AK Zensur hat es geschafft, innerhalb von 12 Stunden 60 Seiten vom Netz nehmen zu lassen, die auf europäischen Sperrlisten geführt waren. Auch der Verein CareChild hat ähnliches zuvor bereits geschafft, mit 16 Seiten, die gelöscht wurden. Damit haben diese beiden Gruppierungen bereits mehr für den Kinderschutz getan, als diese Pseudo-Sperren in 10 Jahren schaffen wird.

Am Schlimmsten finde ich aber folgenden Absatz:

Aber beide, der Noch-Abgeordnete und die Partei, wollten lieber ein paar schnelle Schlagzeilen: Tauss, ehe er endgültig die politische Bühne verlassen muss und in der Bedeutungslosigkeit versinkt, und die Piraten, um sich vor der Bundestagswahl im Herbst ins Gespräch zu bringen. Das ist zwar gelungen; aber spätestens nach dem Urnengang wird man von beiden nichts mehr hören. Und das ist gut so – für die politische Kultur.

Bei Tauss kann man ihm möglicherweise beipflichten – immerhin war er 15 Jahre lang Abgeordneter und da kann man verstehen, wenn er irgendwann für sich beschließt, diesen Job aufzugeben. Die Piraten scheinen für diesen Redakteur aber noch ein absolutes Rätsel zu sein. Weder setzt er sich mit deren Zielen auseinander („blabla, Freiheit des Kopierens aus dem Internet, blabla“), noch mit dem Werdegang der Partei. Dass die Piraten hunderttausende Unterstützer haben, dass sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Anspruch auf staatliche Unterstützung haben, dass sie in Schweden zum ersten Mal einen wirklichen Wahlsieg erungen hat (immerhin ein Sitz im Europaparlament!) – alles nebensächlich. Da müsste man ja recherchieren, das könnte Arbeit bedeuten. Nein, im Gegenteil wird die Partei weiter an Zuspruch gewinnen, sie wird weiter wachsen. Nicht wegen dem kurzen Medienecho, dass Tauss‘ Beitritt bringt. Sondern wegend er Erfahrung, die Tauss mitbringt – immerhin war er 38 Jahre lang SPD-Mitglied, davon viele Jahre Abgeordneter und auch Mitglied im Vorstand eines Landesverbandes, er hatte zentrale Sprecherfunktionen in seiner Fraktion usw. Der Mann kann reden, er bringt viele Tipps und Kontakte in die Piratenpartei ein – und nebenbei, als praktischen Nebeneffekt, gibt es noch ein Medienecho. Daher wird die Piratenpartei im September nicht ins Parlament einziehen, aber sie wird in 100 Tagen die Weichen stellen für ein langfristiges politisches Handeln. Und das ist gut so – für die politische Kultur.


Piratenpartei kapert ein Bundestagsmandat

Juni 20, 2009

Jörg Tauss ist heute der Piratenpartei beigetreten und damit der erste Pirat im Deutschen Bundestag. „Das Bundestagsmandat kapern geht nicht“, meint sein ehemaliger baden-württembergischer Parteivorsitzender. Er fordert Tauss auf, das Mandat zurückzugeben – was er glücklicherweise nicht tun wird. So weit kommt es noch, dass die SPD Leute zwingen kann, aus dem Bundestag auszuscheiden.

Die Piraten sind auch bereit, Tauss aufzunehmen.

Hier Tauss Rede bei der Zensursula-Demo heute in Berlin:

Und kurz darauf noch ein Interview mit Parteiflagge im Hintergrund:

Interessante Entwicklung. Mal schauen, welche Publicity die Piraten dadurch kriegen. Wird Tauss den nötigen Anstoß geben können, damit die Piraten doch noch den Bundestag entern können?


Wäre schwarz/grün besser als schwarz/rot?

Juni 19, 2009

Der Blogfürst hat einen interessanten Kommentar zum Abstimmverhalten beim Zensursula-Gesetz abgegeben:

Die Opposition hat leider nicht geschlossen gegen die Zensursulapläne gestimmt. Bei den Grünen gab es ganze 15 Enthaltungen. (Ein Drittel der gesamten Fraktion!) Die Enthaltungen waren auch kein Versehen […]
Das ist schon krass, wenn man sich vor Augen führt, dass Enthaltungen in der Opposition – Zustimmung im Falle einer Regierungsbeteiligung bedeuten. Soviel also zum jüngst hochgekochten Thema “schwarz-grün”.

Zum Hintergrund des Abstimmverhaltens gibt es eine interessante Erklärung einer Grünen-Abgeordneten. Auch sehr interessant ist die Analyse des Grünen-Mitglieds Till Westermann. Eine berechtigte Frage, die sich hier stellt, lautet daher: Wäre, aus netzpolitischer Sicht, schwarz/grün wirklich besser als schwarz/rot? Immerhin ist es sehr realistisch, dass die Grünen an Stelle der SPD genauso umgefallen wären.

Man muss sich an der Stelle jedoch mal vor Augen führen, was für eine gigantische Kampagne von Netzaktivisten gefahren wurde. Etliche Demonstrationen und Mahnwachen, die Gründung des AK Zensur, die Mogis-Umfrage, der konzentrierte Lobbyismus. Ich verweise hier nur mal auf die netzpolitik.org-Aktion „ruf im Bundestag an“. Die vielen Hundert Fragen, die auf abgeordnetenwatch.de eingetrudelt sind. Und nicht zuletzt die größte ePetition aller Zeiten! Ich denke, wenn wir mit dieser konzentrierten Lobbykampagne die Grünen penetriert hätten, dann wäre die Aktion sicherlich erfolgreicher gewesen. Und, man darf nicht vergessen, wie mit dem schärfsten SPD-internen Kritiker umgegangen wurde: Jörg Tauss wurde in einer gigantischen Hetzkampagne politisch vernichtet. Das ging so weit, dass sein Parteikollege (!) Martin Dörmann eine Zwischenfrage bei einer Rede beim Bundestag abgewiesen hatte.

Dem Kollegen Tauss möchte ich keine Zwischenfrage gestatten. Ich möchte lieber fortfahren. Zwischenfragen anderer Mitglieder dieses Hauses gestatte ich gerne, aber nicht die des Kollegen Tauss.

Allein dieses Zitat zeigt, wie respektlos mit Jörg Tauss umgegangen wird. Da ist es kein Wunder, dass Tauss so wenig Erfolg in der eigenen Fraktion hatte. Bürgerrechtler der Grünen hätten hier mit Sicherheit größeren Erfolg gehabt.

Insofern glaube ich schon, dass es mit den Grünen besser gegangen wäre. Aber die CDU ist so der so untragbar…


Rede von Jörg Tauss zum Internetzensur-Gesetz im Volltext

Juni 19, 2009

Jörg Tauss‘ Rede vor dem Deutschen Bundestag vom 18.06.2009 zum Zensursula-Gesetz:

Den Rest des Beitrags lesen »


Überraschend: Junge Union hat vielleicht doch etwas gesunden Menschenverstand

Juni 19, 2009

Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal der Jungen Union bei etwas zustimmen würde, immerhin haben die teilweise noch schrägere Ansichten als die Alte Union. Vor kurzem wollte die JU sogar noch eine Ausweispflicht beim Hochladen von Youtube-Videos einführen und die glauben, Arbeitslose dürfen kein Geld bekommen, weil sie sich davon nur Kippen und Alkohol kaufen würden…

Aber heute gab es eine PM: „Verbote lösen keine Probleme!“:

Die Junge Union Deutschlands lehnt Computerspielverbote ab. Für die Mehrzahl der Jugendlichen gehört der Umgang mit dem Computer zum Alltag. Junge Computerspieler dürfen nicht durch unnütze Reglementierungen diskriminiert werden. Gesellschaftliche Missstände auf dem Rücken junger Menschen austragen zu wollen, ist aktionistisch und nicht zielführend.

Irre. Ich wollte das nur mal festhalten. Nicht, dass die CDU in irgendeiner Form wählbar wäre oder ich Interesse daran hätte, der JU beizutreten. Aber vielleicht kann man mit denen tatsächlich einigermaßen reden! Allerdings gibt es auch eine 50%ige Wahrscheinlichkeit, dass die Webseite gehackt wurde.


Newsflash

Juni 18, 2009

Bundestag beschließt Internetzensur – jetzt ist das Bundesverfassungsgericht gefragt. Und natürlich der Wähler am 27. September

Am Samstag findet in Düsseldorf eine Großdemonstration zum Bildungsstreik statt. Sie wird den Bildungsstreik in NRW offiziell beenden.

Gleichzeitig sollen am Samstag bundesweit Mahnwachen zum Zensursula-Gesetz stattfinden. Initiiert von der Piratenpartei. Das Timing ist aufgrund des Bildungsstreiks mehr als schlecht, in Düsseldorf gibt es eine eindeutige  Überschneidung.

Interview von tagesschau.de mit Markus Beckedahl. „Die Büchse der Pandora wird geöffnet“. Lesenswert.